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osmanli

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kanzlerin Merkel zielt aufs deutsche Publikum
« : 31 Mart 2010, 00:36:16 »

kanzlerin Merkel zielt aufs deutsche Publikum


Am zweiten Tag ihrer Türkeireise hat sich Angela Merkel dem Thema Integration gewidmet. Sie lässt sich mit Schülern fotografieren und stellt sich einer Diskussion. Ihre Gegner stellen fest: "Vorher markiert sie die Harte für die Menschen zu Hause, und dann vor Ort versteht sie sich doch wieder mit allen gut."
Angela Merkel in der Türkei

 



Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel mit militärischen Ehren. Der Besuch wird von tiefgreifenden Meinungsunterschieden belastet.

Angela Merkel kommt eine Viertelstunde zu früh zur deutschen Schule von Istanbul. Das ist erstaunlich, denn eigentlich gehören Verspätungen zu Staatbesuchen wie Hymnen und rote Teppiche.



Aber wie alle Politiker schätzt auch die deutsche Kanzlerin Bilder mit Kindern. Also lässt sie sich beim Abschreiten der im Spalier angetretenen Schüler wieder und wieder ins Gespräch ziehen und fragt nach Schulweg und Lieblingsfach. Der orientalische Frühlingsmorgen setzt Merkel in ein vorteilhaftes Licht. Sie weiß das und spricht auch den allerletzten Schüler an, der schon das Seil der Absperrung halten muss. „Und Sie halten hier das Seil?“, fragt Merkel. „Ja, ich bin ganz wichtig“, sagt Henrik Meurer, ein frecher 17jähriger. Die schönen Bilder sind im Kasten.

Merkel ist ein Profi. Das erkennen sogar ihre Gegner an. „Ich fahre seit fünf Jahre mit ihr durch die Welt, und es ist immer das gleiche “, seufzt Johannes Kahrs, Außenpolitiker der SPD-Fraktion: „Vorher markiert sie die Harte für die Menschen zu Hause, und dann vor Ort versteht sie sich doch wieder mit allen gut.“

Hier geht es zum Einbürgerungstest

Bevor Merkel und der türkische Ministerpräsident Recep Tayipp Erdogan am Montag bei ihrem Treffen nicht gerade Einigkeit, aber doch Freundlichkeit demonstrierten, hatten sie sich einige Tage über die Medien öffentlich angerempelt. Manche Beobachter sahen darin wie schon in ihrer schroffen Haltung auf dem EU-Gipfel zuvor ein Zeichen dafür, dass Merkel ihre innenpolitische Position nach dem schwarz-gelben Stolperstart als schwach einschätzt und deshalb jeden Anlass nutze, um Stärke zu zeigen.

Dagegen spricht, dass es Erdogan war, der zuerst starke Worte wählte. Merkel deeskalierte freilich tatsächlich erst vor Ort. „Diesmal hätte sie es fast überzogen“, sagt Kahrs und behauptet: „Die deutsche Wirtschaft hat die Kanzlerin zurückgepfiffen.“ Nicht nur Merkels Reisebegleitung – sie hat Vorstände von ThyssenKrupp Telekom, RWE, EnBW und Rheinmetall dabei – sondern auch die in der Türkei allgegenwärtige Werbung deutscher Firmen zeigt, dass ernste atmosphärische Störungen schnell teuer werden könnten.


Aber die sind ja behoben. Erdogan hatte türkische Gymnasien in Deutschland gefordert, Merkel darauf bestanden, dass Deutsch dort die Hauptsprache sein müsse. Dahinter steckt ein ernsthafter Konflikt: Während sich der türkische Politiker auch für die Türken in Deutschland – selbst wenn sie einen deutschen Pass haben – zuständig fühlt, will Merkel, dass aus ihnen Staatsbürger werden. Deutschtürken oder Deutsche mit türkischen Wurzeln – da liegt der feine Unterschied.

Integration ist deshalb das große Thema am zweiten Tag ihres Besuches. Am Morgen frühstückte sie jenseits des offiziellen Programms mit den Spitzen der Dogan-Gruppe, die in der Türkei regierungskritische Zeitungen herausgibt und in Deutschland das Massenblatt „Hürrieyet“.


    * Merkel muss sich der deutschen Türken annehmen
    * Darum gehört die Türkei in die EU – oder nicht?
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    * CDU-Politiker für EU-Beitritt der Türkei
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    * Die Türkei wäre das ärmste und größte EU-Land

Aydin Dogan, der 74-jährige Patriarch, denkt konkret darüber nach, ein bilinguales türkisches Gymnasium in Deutschland zu gründen. Dazu passte der sich nach dem Besuch der Hagia Sophia anschließende Besuch beim deutschen Gymnasium, das seit 142 Jahren Schüler zum Abitur führt. Die Kanzlerin bittet zwei Schüler und zwei ehemalige Absolventen deutscher Schulen (darunter der amtierende Außenminister) zu einer Diskussionsrunde, die sie selbst moderiert. Sie tut das mit bemerkenswertem Mut. Denn das offene Gespräch sprengt schnell die engen Sprachregelungen eines Staatsbesuchs, als eine Schülerin ihren Rektor und ihren Außenminister angeht: „Ich finde es schade, dass man unterschiedliche Klassen macht und uns nicht wirklich integriert.“

Tatsächlich gibt es einen deutschen und einen türkischen Zweig, der sich nur zum Physik- und Englischunterricht trifft. Und die deutsche Gemeinde, die das Gymnasium hervorgebracht hat, ist wohl eher ein Beispiel für Integration im Sinne Erdogans.
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Seit fünf oder sechs Generationen leben die Nachkommen von Händlern, Handwerkern und Glückssuchern in Istanbul und haben sich ihre Identität durchaus bewahrt. Es gibt eine deutsche Buchhandlung, einen Verein „Teutonia“, Jugendstil-Häuser – und die selbstironische Bezeichnung „Bosporus-Germanen“.