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Yabancilarin oturdugu evi yakmislar   3 ölü

Wohnhaus mit Ausländern
Drei Tote nach Brandanschlag


Anschlag in Neukölln: Wie im Bosnien-Krieg


Unbekannte haben in einem Berliner Wohnhaus mit vielen Ausländern Feuer gelegt. Eine 26-Jährige und ihr zehn Tage altes Baby kamen ums Leben, ebenso der Bruder der Frau. Den Tätern wird Mord vorgeworfen. Eine benachbarte Familie überlebte knapp - und erhebt nun schwere Vorwürfe.
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Als die Flammen aus den benachbarten Fenstern eines Wohnhauses in Berlin-Neukölln schlagen und die Menschen um ihr Leben schreien, muss Subhija Salcinovic, 31, an den Bosnien-Krieg denken. "Es war wie damals in Zvornik", sagt Salcinovic, die als Bürgerkriegsflüchtling nach Deutschland kam. "Ich hatte Angst um unser Leben."


Am Samstagfrüh, fünf Minuten vor sechs, reißt ihr Ehemann Amir, 36, sie aus dem Schlaf. Er hat vorher Geräusche im Hausflur gehört, ein seltsames Klirren, "wie einen Einkaufswagen". Vor kurzem hat ein Obdachloser im Haus übernachtet, weil nachts die Haustür offen stand.

Amir will schnell nachsehen, was los ist und tritt in den Flur. Dann schlägt ihm dunkler Rauch entgegen. Um 5.59 Uhr ruft Subhija Salcinovic die Polizei, ihr Mann weckt die drei Kinder und läuft mit ihnen in das hinterste Zimmer ihrer Wohnung im ersten Stock. Sie reißen das Fenster auf, hören die Rufe der Nachbarn, schmecken den Rauch, sehen, dass sich unten im Hof immer mehr Menschen versammeln.

Ein Mann klettert auf eine Mülltonne und hält die Arme auf. Amir Salcinovic lässt Tochter Amra, sechs Jahre alt, in seine Arme fallen. Um 6.05 Uhr trifft die Feuerwehr ein. Die Salcinovics werden mit ihrer anderen, zwei Jahre alten Tochter Samra und ihrem Sohn Amar, 12, über eine Leiter aus der Wohnung gerettet und mit einer leichten Rauchvergiftung und einem Schock ins Krankenhaus gebracht.

Andere Familien haben nicht so viel Glück.

Der Brand frisst sich innerhalb von Minuten durch das Haus. In den Flammen in der zweiten Etage sterben drei Menschen: Ein Säugling von zehn Tagen, seine Mutter, 26, und der 28-jährige Onkel. Der Mann sprang noch aus dem Fenster, starb jedoch wie die anderen Opfer an einer Rauchvergiftung. 17 weitere Bewohner wurden teilweise schwer verletzt.

Die Polizei fahndet nach den Tätern. Bislang sind acht Zeugenhinweise eingegangen, wie ein Polizeisprecher am Montag sagte. Eine Erfolg versprechende Spur sei bislang nicht darunter. Eine Mordkommission ermittle wegen Mordes und schwerer Brandstiftung.

In dem Haus lebten den Angaben zufolge vor allem Menschen aus der Türkei, Bosnien, Bulgarien und Rumänien.

Kein Dach über dem Kopf

Am Tag nach der Katastrophe stehen Amir und Subhija Salcinovic vor dem Haus in der Sonnenallee 18 und blicken fassungslos hinauf in den ersten Stock. Von außen wirkt ihre Wohnung unberührt, nur das Treppenhaus ist verkohlt. Trotzdem wissen die Eltern, dass sie nie wieder in ihr altes Heim zurückkehren können.

Am Sonntag dürfen sie die Wohnung nicht betreten, auch nicht kurz. "Ohne unsere Verwandten hätten wir letzte Nacht auch noch auf der Straße geschlafen", sagt Subhija Salcinovic. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler zündete der Täter mehrere Kinderwagen an, die im Hausflur abgestellt waren.

Wer hinter dem Anschlag steht, ist bislang unklar.

Die Polizei schloss am Sonntag ein ausländerfeindliches Motiv nicht aus. In einem anderen Haus auf dem gleichen Hinterhof in der Sonnenallee ist eine Moschee untergebracht. Viele Muslime in Berlin erinnern sich noch an die Brandanschläge auf Moscheen in Berlin im vergangenen Jahr. In sechs Monaten waren mindestens sieben Anschläge auf muslimische Gotteshäuser verübt worden.

Im Februar fasste die Polizei einen offenbar geistig verwirrten Mann. Bei ihm fanden sich jedoch keine Hinweise auf ein einen politischen Hintergrund für die Tat.

Am Sonntag besuchte der türkische Generalkonsul, Mustafa Pulat, den Tatort. Die türkische Tageszeitung Hürriyet berichtet auf der Titelseite über den Fall. "Natürlich ist die Sorge unter den Türken groß, weil viele Migranten in dem Haus lebten", sagt Ülker Radziwill, SPD-Politikern im Berliner Abgeordnetenhaus und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Migration. "Wir dürfen politische Motive nicht von vorne herein ausschließen. Die Polizei muss in alle Richtungen ermitteln."

Wann endet der Alptraum?

Die Salcinovics erheben schwere Vorwürfe gegen die Hausverwaltung Ernst G. Hachmann. Seit ihrem Einzug im April 2008 hätten sie sich immer wieder über die Kinderwagen im Hausflur und die nicht abgeschlossene Haustür beschwert. Die Firma habe zwar mehrfach Briefe geschrieben und die Hausbewohner aufgefordert, die Kinderwagen aus dem Flur zu räumen. Der Hausmeister hätte dies aber nicht kontrolliert. Auch habe die Hausverwaltung das Schloss zwar mehrfach ausgewechselt worden, doch es sei immer wieder zerstört worden.

Auf den Wunsch, einen Wachmann einzustellen oder Kameras zu installieren, habe die Firma nicht reagiert. Die Geschäftsführerin von Ernst G. Hachmann, Manuela Thamm, "erstaunen" die Vorwürfe der Salcinovics: "Wir haben die Mieter darauf hingewiesen, die Kinderwagen in ihre Wohnungen zu stellen. Unsere Sachbearbeiterin war regelmäßig vor Ort. Sie können das Haus aber nicht Tag und Nacht kontrollieren."


Es müsse auch niemand auf der Straße schlafen. "Wenn Mieter ab heute Wohnraum brauchen, bekommen sie den auch". Die Familie Salcinovic bestreitet das. Sie sind am Montag noch immer bei den Verwandten untergekommen.

"Uns hat die Hausverwaltung gesagt, dass es noch dauern kann, ehe wir eine neue Wohnung bekommen", sagt Subhija Salcinovic. Nun ist auch noch die Tochter krank geworden.

Der Alptraum für die junge Familie geht weiter.